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am 18. Oktober

Täglich staut das Elterntaxi

Lukas Oberwagner - In Österreich werden immer mehr Kinder mit dem Auto in die Schule gebracht. Dies führt vor vielen Schulen und Kindergärten zu einem Verkehrschaos.

Fünfzehn Minuten vor halb acht. Die Dr.-Thomas-Senn-Straße in Ried im Innkreis wird von einer Autolawine erfasst. Es wird eng und ungemütlich. Mehrere Fahrzeuge halten gleichzeitig in zweiter Spur und auch auf der Gegenfahrbahn vor der Volksschule und dem Bundesoberstufenrealgymnasium.

Besetzt mit einem Elternteil und einem Kind stehen sie da und warten, bis sich ebendieses Kind auf den Schulweg macht. Dieser ist dann zehn Meter weit.

Dieses Spiel wiederholt sich natürlich um die Mittagszeit, wenn der Schulunterricht vorbei ist.

Viele Eltern argumentieren die Notwendigkeit der Autofahrt mit Sagern wie: „Wir können doch unser Kind nicht irgendwo aussteigen lassen“, „Ich habe keine Zeit mit meinem Kind in die Schule zu gehen“, „Öffentlich dauert das viel zu lange“, usw.

Die Folgen dieser Handlungen sind mehrschichtig. Zuallererst sei hier die kindliche Entwicklung genannt. Der zu Fuß zurückgelegte Schulweg ist ein wertvoller und aufregender Erfahrungsraum für Abenteuer und soziale Kontakte, die unsere Kinder heutzutage leider nur mehr aus Klassikern wie „Die Kinder von Bullerbü“ von Astrid Lindgren kennen. Nicht umsonst erlernen wir zwei Drittel unserer Fähigkeiten außerhalb von Bildungseinrichtungen. Beim Marsch zur Schule bzw. am Heimweg tauscht man sich mit den Schulkolleg/-innen aus, findet man Schmetterlinge oder sammelt Kastanien und erlebt unmittelbar Natur in der Abfolge der Jahreszeiten.  Wind, Regen, Sonne, Schnee nicht nur vom Autofenster aus zu sehen führt zu Bewusstseinsbildung von Kindesbeinen an.

Im Rahmen der Diskussion um die tägliche Turnstunde sei kurz darauf hingewiesen, dass allein durch einen zu Fuß oder per Rad zurückgelegten Schulweg viele der Effekte, die man durch diese Aktion erreichen will, bereits einfach und kostenlos abgedeckt sind.

Zum anderen führt das wenig vorbildhafte Verhalten der Elterntaxis zu Stau und Chaos zu den oben angeführten Schulzeiten.

Seit langem wird von der Politik, vor allem auf kommunalpolitischer Ebene, nachgedacht, wie mit diesem Problem aus verkehrstechnischer Sicht umzugehen ist.

Im Rahmen dieser Überlegungen sind einige Lösungsansätze vorhanden:

Der erste setzt bei den Eltern selbst an und sollten eine Selbstverständlichkeit sein: Das Üben des Weges zur Schule, einhergehend mit der Erklärung der Regeln im öffentlichen Verkehrsraum.

Zweitens, das Einführen von Schulstraßen. In Bozen gibt es diese seit mehr als zwanzig Jahren und die Anzahl der auf dem Schulweg verletzten Kinder ist seitdem um die Hälfte gesunken. In diese Richtung wird auch in Österreich gedacht. So gibt es in Wien und Salzburg Pilotversuche, die dieses Konzept übertragen wollen. Gesperrt wird hierbei die Straße vor der betroffenen Schule in einem Zeitraum von einer halben Stunde vor Schulbeginn bzw. nach Schulende.

Drittens, sogenannte „Kiss & Go“- Zonen in Schulnähe, die durch eine Verordnung mit Verkehrszeichen und Bodenmarkierung gekennzeichnet sind.

Viertens, eine vorausschauende Verkehrsplanung in den Gemeinden und Städten mit einer Prioritätssetzung auf sichere Geh- und Radwege.  Denn nach bestandener Radprüfung können Kinder ab dem 10. Lebensjahr mit dem Fahrrad zur Schule fahren.

Fünftens, Bewusstseinsbildung, wie zB der Pedibus. Hier gehen Kinder in Begleitung von älteren Schülerinnen und Schülern oder Erwachsenen gemeinsam zu Fuß zur Schule.

Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auf die Link-Tipps.

Der Projektbericht Lernwelt Schulweg beschäftigt sich eingehend mit der Kreativität im Zusammenhang mit Schulwegen.

Der VCÖ-Link Sicherer Schulweg gibt einen kurzen Überblick zum Thema.

Das Land Vorarlberg, der Landesschulrat für Vorarlberg, die Stadt Bregenz, Sicheres Vorarlberg und das Mobilitätsmanagement plan b startete 2017/2018 mit einem Projekt für einen sicheren Schulweg. Auf der Homepage finden sich einige interessante Tipps zum Thema.

Link-Tipps:


  • Projektbericht: Lernwelt Schulweg Projektbericht; Rudolf Egger & Sandra Hummel: https://static.uni-graz.at/fileadmin/urbi-institute/Erziehungs-Bildungswissenschaft/Angewandte_LW/Texte/Projektbericht_Lernwelt_Schulweg.pdf
  • VCÖ: Sicherer Schulweg: https://www.vcoe.at/service/fragen-und-antworten/sicherer-schulweg
  • Verkehrserziehung Vorarlberg: https://verkehrserziehung.vobs.at/schulweg/
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